Das Interview zum Nachlesen von ViTalk HR - Episode 6
Michael Scheffler
Hallo und herzlich willkommen zu ViTalk HR: Gespräche, die People und Culture vitalisieren.
Während wir diese Folge aufnehmen, läuft die Fußballweltmeisterschaft 2026 und auf dem Rasen zeigt sich, was Personalverantwortliche aus ihrem Alltag kennen. Nationaltrainer müssen innerhalb weniger Wochen schlagkräftige Mannschaften aus Spielerinnen und Spielern formen, die sonst gegeneinander antreten.
Genauso leben wir das im Unternehmen. Projektteams formieren sich ständig neu. Fachkräfte kommen und gehen. Strukturen verändern sich quasi über Nacht. Wir arbeiten also im unfertigen Team.
Der alte Mythos, 11 Freunde müsst ihr sein, greift hier zu kurz. Die eigentliche Führungsfrage lautet daher heute nicht mehr, wie bauen wir das perfekte Team, sondern wie gelingt die Zusammenarbeit, wenn sich die Aufstellung ständig verändert?
Darüber spreche ich heute mit Professor Dr. Silke Sinning, Präsidentin des Hessischen Fußballverbandes und DSB Vizepräsidentin, sowie Tanja Groeber, Associate Partner bei petrichor hr und geschäftsführende Gesellschafterin der Personalagrata GmbH.
Hallo Tanja, hallo Silke, schön, dass ihr beide heute dabei seid. Ich freue mich wirklich auf dieses Gespräch heute, nicht zuletzt, weil ihr das heutige Gesprächsthema aus 2 ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.
Tanja, aus der Führungs- und Teambegleitungsperspektive, Silke aus der gelebten Praxis als Präsidentin und Verbandsfunktionärin im Fußball. Bevor wir aber inhaltlich einsteigen, stellt euch doch bitte kurz vor, damit unsere Zuhörerinnen und Zuhörer wissen, wer heute mit ihnen spricht.
Und Tanja, es wäre schön, wenn du anfangen könntest. Wer bist du und was treibt dich bei dem Thema Team, Transformation und Führung an?
Tanja Gröber
Mein Name ist Tanja Gröber. Ich bin Geschäftsführerin der Personalagrata GmbH und wenn ich es, Michael, auf unser Thema zusammenfassen darf, dann kann ich sagen, ich bin die Frau für die Teams.
Nicht für das perfekte Team, sondern für das, was gerade zusammenwächst. Und eigentlich ist das relativ klar, weil ich komme aus dem Mannschaftssport. Nicht im Fußball, Volleyball, da sieht der Ball ein bisschen anders aus.
Und in meinem ersten Job dachte ich, ich war voller Energie und dachte, wir spielen zusammen. Und dann kam das Erwachen. Jeder machte seins, jeder schaute auf seinen Bereich. Es gab jede Menge Meetings ohne Ergebnis, irgendwie alle relativ frustriert. Und dann saß ich da und dachte, das kann doch nicht alles sein.
Und ich habe dann gemerkt, dass es nicht ein schlechter Wille ist oder keine Idee von Team, sondern tatsächlich eine fehlende Spielidee und auch die Struktur, in der diese Menschen miteinander arbeiten, war nicht dazu gedacht, als Team zu agieren.
Und das hat mich immer wieder umgetrieben und ich wollte wissen, wie kriegt man Menschen dazu, wirklich füreinander zu spielen. Also, das hat mich nicht losgelassen, Michael. Und dann habe ich es mal zu meinem Beruf gemacht. Führungs- und Projektleitungserfahrung gesammelt, Teams geleitet, ja, und auch selber Fehler gemacht. Und irgendwann war mir klar, genau das ist mein Spielfeld.
Und deswegen begleite ich heute Führungskräfte und Teams dabei, richtig ins Laufen zu kommen. Und mir geht es da nicht um große Konzepte, sondern ich bin nah dran im echten Alltag und habe die Freude, in den Genossenschaften, also Banken, Agrar und Versicherungen, genauso zu arbeiten wie vor allem im Sport.
Und immer mit derselben Frage: Was braucht dieses Team, um mehr zu sein als die Summe seiner Teile?
Und zwar egal wie hart er drumherum ist oder innen drin auch Wechsel funktioniert. Und dann, wenn man merkt, hey das macht Spaß, wir sind richtig gut und wir tragen richtig gute Ergebnisse zusammen, genau das ist der Moment, für den ich morgens aufstehe. Und genau darum geht es heute und ich freue mich drauf, das zusammen mit Silke zu besprechen.
Michael Scheffler
Vielen Dank Tanja für die Vorstellung und Silke, du bist ja die einzige Präsidentin eines Fußball Landesverbandes und sorgst in Hessen dafür, dass der Ball rollt.
Stellst du dich bitte auch noch kurz vor?
Prof. Dr. Silke Sinning
Sehr gerne, Michael.
Also bei mir hat im ganzen Leben Fußball eine große Rolle gespielt, ich hab selbst Fußball gespielt, war somit Teil eines Teams, teilweise auch Kapitänin, danach hab ich für andere das Fußballspielen auf dem Platz mitverantwortet, war also Trainerin meiner eigenen Mannschaft, Trainerin im Jugendbereich, im Auswahlbereich.
Dann hab ich studiert und bin Mathematik- und Sportlehrerin geworden und hab natürlich dort auch Fußball unterrichtet und bin dann an die Universität gegangen und hab dort auch vorrangig Fußball, aber auch noch andere Sportarten in meinem Portfolio gehabt, also auch Teams sozusagen mitentwickelt und inzwischen organisiere und gestalte ich das Fußballspielen als Funktionärin, als Präsidentin eines Landesverband, ja als erste Präsidentin.
Das ist sehr spannend, sein Team auch da weiterzuentwickeln und das Ganze darf ich auch noch beruflich übertragen. Ich bin Professorin für Sportpädagogik, Soziologie und Psychologie, das heißt Teile meiner Arbeit besteht auch darin, Botschaften des Fußballs in die Wissenschaft hineinzutragen, meine Studierende von meinen Erfahrungen, meinen Erlebnissen, meinen ja Möglichkeiten, die ich sozusagen auf der Freizeitebene mitverantworte, zu informieren und umgekehrt daraus natürlich auch wissenschaftliche Erkenntnisse herauszuziehen, also Forschungsergebnisse, die ich dann auch wieder zurückspiele.
Michael Scheffler
Vielen Dank für die Vorstellung.
Wir müssen sofort mit einem verstaubten HR-Mythos aufräumen.
Viele glauben immer noch, Teambuilding passiert beim jährlichen Floßbauen oder beim gemeinsamen Kochen, also diesen klassischen Events, wie man sie kennt. Das Team ist ja eh da. Aber ein Team entsteht nicht einfach, weil Menschen zusammenarbeiten.
Tanja, du kennst das aus 2 unterschiedlichen Welten, aus dem Sport und aus dem Unternehmen. Wie sind denn da so deine Erfahrungen, bitte?
Tanja Gröber
Danke für das Bild, Michael. Ja, Floß bauen, gemeinsames Kochen, GPS, Schnitzeljagden.
Ich glaube, manche von diesen Bildern tragen viele mit uns, wenn es ums Thema Teamentwicklung geht. Und die sind ja auch gut gemeint, ne? Die sind nett für die Stimmung.
Es gibt schöne Bilder und coole LinkedIn Posts, die danach gepostet werden können. Und dann am Montag im Büro der Druck kommt und oft verpufft es dann bereits.
Eigentlich, Michael, darf ich sogar ein bisschen früher einsteigen, weil in meiner Erfahrung tatsächlich das Thema Team, also eins und eins ist nicht mehr als zwei, gerade wenn jemand kommt oder geht, auch insgesamt nicht so groß verbreitet ist in den Unternehmen, mit denen ich arbeite.
Ich hatte vor kurzem zum Beispiel 'ne Anfrage aus 'ner Genossenschaftsbank, in der eine Führungskraft wirklich jahrzehntelang jeden Einzelnen geführt hat und das funktionierte auch irgendwie. Und jetzt kommt Druck, jetzt kommt Bewegung, Digitalisierung, Mitarbeitende gehen, Mitarbeitende kommen dazu, es gibt neue Kapazitäten und so weiter.
Viele neue, die kommen, wollen vielleicht auch 'ne andere Kultur und alle sollen plötzlich 11 Freunde sein und funktionieren. Das funktioniert nicht. Und das Teamevent im Wald, schönes LinkedIn-Bild. Und das ist oft der Punkt, an dem ich oft als Externe um Unterstützung gebeten werde.
Und dann arbeiten wir am Team. Und arbeiten ist ein Verb, genauso wie Teaming ein Verb ist, weil nämlich Teamentwicklung kein Event ist. Es ist ein Prozess und wenn wir ehrlich sind, ist es auch Arbeit. Passiert beim Arbeiten und manchmal auch nah beim Arbeiten.
Und es ist eine Führungsaufgabe, aber jeder Einzelne kann auch etwas dafür tun. Und es geht nicht darum, um den Mythos aufzunehmen, Freunde müsst ihr sein. Man muss nicht Freunde sein, aber muss füreinander spielen wollen. Und Teaming muss funktionieren, auch wenn die Mannschaft sich ständig verändert. Und vielleicht damit auch nicht Freunde sein kann.
Michael Scheffler
Das klingt sehr, sehr einleuchtend, aber mal ganz ehrlich, in vielen Unternehmen, da fehlt doch einfach die Zeit dafür, oder? Also Retros, Reflektionen, Projektarbeit, gemeinsames Arbeiten.
Wie setzt man das denn durch, wenn der Alltag einen quasi permanent überrollt? Was kannst du denn dazu sagen?
Tanja Gröber
Ja, das stimmt.
Das ist auch etwas, was einem häufig entgegengesetzt wird.
Wir haben keine Zeit, aber wenn ich diese Frage rumdrehe, weil wir haben auch keine Zeit für die Konflikte, die viel Kapazitäten und Motivation kosten. Wir haben keine Zeit für Projekte, die kippen. Wir haben ehrlicherweise auch keine Zeit für Mitarbeitende, die eigentlich gar keine Lust mehr auf diese Art des Arbeitens haben.
Von daher glaube ich Michael und Selke macht die Umkehrfrage ist deutlich klarer. Können wir uns das eigentlich leisten, das Thema Teaming und Team nicht zu machen? Besonders dann, wenn jetzt einfach auch mehr Wandel und Flexibilität kommt.
Und es braucht eben einen Antrieb und wir können über kleine Maßnahmen sprechen und es braucht ein paar strukturelle Änderungen, kleine Maßnahmen, die große Wirkung erfalten, kann zum Beispiel diese Frage nach einem Meeting sein: Was nehmen wir mit und was machen wir morgen anders?
Eine Frage, die man freitags stellt: Was lief im Team gut, was hat gebremst? Oder ein neuer Kollege, der ins Team kommt und den man einfach mal fragt: Komm, ich nehm dich diese Woche mit, dann wird Einarbeitung zum Teamsport.
Vielleicht gibt es auch die Chance im Chat von sozusagen nicht nur Infos zu teilen, sondern auch ein gut gemacht, das hat mir echt weitergeholfen. Also ein Ton sozusagen oder eine Nachricht, die den Ton verändert.
Vielleicht auch die Frage, kann ich einspringen, wenn ich merke, dass jemand im Team gerade hängt und nach einer Krise nicht dort weitermachen, als was nichts war, Hauptsache, dass man nichts merkt, sondern tatsächlich mal auch den Scheinwerfer da reinleuchten und sagen, was hat uns eigentlich zusammengehalten und was hat uns fast zerrissen, was können wir daraus lernen.
Das sind erstmal die kleinen Momente und ich hoffe, an meinen Beispielen konnte man merken, es muss nicht immer die Führungskraft sein, jeder kann den Anfang machen. Teaming ist nämlich eigentlich keine Frage der Hierarchie, sondern eben des Antriebs und des Tunwollens.
Michael Scheffler
OK , dann nehm ich mit, das Team entwickelt sich beim Machen, hab ich verstanden, und ist nie wirklich fertig.
Schauen wir doch mal auf die Fußball-WM. Spieler, die sich in der Bundesliga noch eben bekämpft haben, ziehen sich dann das Nationaltrikot an und plötzlich zählt nur noch ein Ziel, ein gemeinsames Ziel.
Silke, ich schau auf dein Präsidium-Team. Du hast mir erzählt, ihr seid 2024 aus einer spannenden, kraftzehrenden Wahl hervorgegangen. Ihr opfert eure Freizeit und sorgt zusammen mit den Teams vor Ort in den Kreisen und in den Vereinen dafür, dass in Hessen der Ball rollt. Das hatte ich schon erwähnt, kein Gehalt, keine Karriereziele.
Was hält euch denn da zusammen?
Prof. Dr. Silke Sinning
Ja, letztlich ist es unsere Vision, die wir auch gemeinsam aufgestellt haben. Sie lautet bei uns der „HFV als starke Gemeinschaft“.
Da haben wir schon den Begriff Gemeinschaft für einen sicheren, modernen und offenen Fußball in Hessen und wir sind dementsprechend eben ein Team geworden und machen das nicht nur für uns, sondern für alle.
Wir engagieren uns für die Vereine, für die Spielerinnen und Spieler, für die Ehrenamtliche draußen auf dem Platz. Und wenn ich dann mal am Spielfeldrand stehe und mir dabei klar wird, dass gerade unser Team dafür mitgesorgt hat, dass es möglich ist, dass wir ja unkompliziert diese Spiele sehen und umsetzen können, dann ist das sozusagen mein oder unser Pokal.
Den sieht halt keiner, aber wir spüren ihn. Wir wissen gemeinsam, dass es sozusagen auch mit unserer ja, Verdienst ist, sag ich mal an der Stelle. Und genau das hält uns zusammen, wenn es mal schwierig wird, nicht der Applaus, sondern eben die gemeinsame Sache.
Steve Jobs hat mal gesagt, der einzige Weg großartige Arbeit zu leisten ist zu lieben, was man tut und ich glaube, das kann man gut auf uns übertragen, wir lieben, was wir tun, es ist unser gemeinsames Hobby, unsere gemeinsame Vision, unsere gemeinsame Verantwortung und das kann man auch gut auf das Trikot übertragen, wir haben nämlich alle das gleiche Trikot an.
Dazu gehört auch, dass wir natürlich Fehler akzeptieren, also eine gewisse Fehlerkultur besitzen. Wir lernen in der Regel deutlich mehr aus Fehlern in kritischen oder herausfordernden Situationen, weil wir die Erfolge oder das Normale oftmals nicht so differenziert reflektieren.
Daher müssen alle Teammitglieder wissen, dass sie bei uns Fehler machen dürfen. Quasi mutig sein sollen, auch mal riskante Pässe spielen dürfen, Dribblings in engen Situationen starten können oder Torschüsse aus ungewöhnlichen Situationen einfach wagen sollten.
Gelingt etwas nicht, unterstützen wir uns gegenseitig im Fußball wie im Leben. Wenn jemand im neuen Team einen Fehler macht und sofort kritisiert wird, zieht er sich oftmals zurück und wir müssen genau das Gegenteil einfordern, mit dem Bewusstsein, dass wir eben das gleiche Trikot tragen. Das bedeutet, wir fangen gemeinsam auch den Fehler ab.
Also mit dem Trikot sind wir letztlich eine Einheit und brauchen Klarheit über unsere Ziele, die sich aus unseren Visionen ergeben. Und da gibt es auch ein Zitat: 'Ziele zu setzen ist der erste Schritt, das Unsichtbare in das Sichtbare zu verwandeln.' Also deutlich zu machen, was wir für wichtig erachten.
Und ich füge dann immer hinzu, wir wollen nicht warten, sondern wir wollen das auch umsetzen. Wir wollen es tun und dazu gehört eine gewisse Selbstbestimmung und auch Mitbestimmung.
Das sind für mich so ein bisschen die Zauberworte oder auch mit Sokrates gesprochen. Wer die Welt bewegen will, muss zuerst sich selbst bewegen und ich ergänze dann noch und sich mit anderen bewegen, also in einem Team bewegen.
Michael Scheffler
Das mit dem gemeinsamen Trikot finde ich auch ein sehr, sehr schönes Bild. Das heißt, nicht der Titel, nicht das Gehalt, sondern das gemeinsame Ziel ist es, dass man dann aufsteht und auch gemeinsam kämpft.
Tanja, was kannst du denn da vielleicht noch hinzufügen?
Tanja Gröber
Silke, vielen Dank.
Das ist natürlich im Sport einfach mit schönen Bildern zu belegen. Die Mission, ein Spielfeld für alle, die Mission, die eine DLRG hat, Leben retten oder die Mission auf dem Platz auch einen Täter zu erlangen.
Das ist natürlich ein schönes Bild, was gar nicht so einfach in den Unternehmen zu finden ist, trotz vieler Leitbilder und Werte, die wir haben, trotz vieler Veränderungen, ist es gar nicht so einfach immer zu sagen, was ist denn das Trikot, dass wir in diesem Team jetzt gerade zusammentragen und wenn wir es zusammentragen, dann ist Rückhalt auf das eigentliche Versprechen dahinter.
Wenn jemand einen Elfmeter verschießt oder heute nicht eingewechselt wird, wie bekommen wir es trotzdem hin, dass das Team funktioniert und die Menschen füreinander spielen? Meint, wenn einer stolpert, dass der andere ausbügelt und beim nächsten Mal weiß, ich bin derjenige, der es auch tun kann.
Das ist dieses Thema, das gemeinsame Trikot, aber gar nicht als das Logo auf der Brust, sondern auch als das Versprechen dahinter. Und jetzt, Michael, spreche ich von dem, was die Menschen dort zusammenhält. Und auf der anderen Seite haben wir das Thema, was Organisationen und hier auch konkreter HR dazu tun können. Und da reden wir gleich über Plug and Play.
Michael Scheffler
Genau, Plug and Play.
Ich hab verstanden, Tanja, Teaming ist eine permanente Aufgabe und das lohnt sich dafür auch quasi täglich zu arbeiten. Aber jetzt werden wir mal ganz pragmatisch.
Was braucht denn ein Team konkret auf dem Platz, damit ein neuer Spieler oder eine neue Kollegin reinkommt und sofort weiß, wo er oder sie hinlaufen muss?
Kannst du dazu ein bisschen was sagen, was sagt denn da die Taktik Tafel für den Mittelstand?
Tanja Gröber
Vielen Dank, Michelle, für die Frage.
Ja, ich nenne es gerne Plug and Play und vielleicht, um euch das Bild mitzugeben, es ist wie beim Einwechseln. Jemand kommt rein, kennt die Position, kann sofort mitspielen, und vielleicht erinnert ihr euch an die WM 2014, Götze eingewechselt, weil es zu tun ist und macht das Tor. Das funktioniert allerdings nur, wenn wenigstens 2 Dinge stimmen und ein Klebstoff da ist. Und jetzt gehe ich ein Stück weit weg von der reinen Person an der Stelle.
Erstens, wir brauchen klare Rollen und ein erkennbares System. Nicht nur, was ist meine Aufgabe, sondern auch die Frage, nach welchem System spielen wir eigentlich in diesem Team.
Im Fußball gibt es 442. Oder 352. Das verändert die Position.
Im Unternehmen gibt es Abläufe, Entscheidungswege, Arten der Zusammenarbeit Klammer auf formell und informell und es gibt Projektmanagement, was extrem unterschiedlich verstanden wird und manchmal sogar innerhalb eines Teams.
Viele Konflikte entstehen dadurch nicht nur zwischen Menschen, sondern durch diese unklaren Zuständigkeiten.
Also die Praxisfrage, Michael, ist: kennt jeder von uns nicht nur seine Position, sondern auch das System, nach dem wir spielen. Und dort mehr Transparenz reinzubringen ist mal die eine Sache, die stimmen muss, damit man Plug and Play hinbekommen kann.
Zweitens: Transparenz.Im Fußball kennt jeder den Spielstand. Übrigens dankenswerterweise sieht man ihn auch häufig vorne an der Tafel stehen.
Im Unternehmen weiß man, woran arbeiten wir, was läuft eigentlich gut und wo braucht jemand Unterstützung? Gibt es kurze regelmäßige Meetings?
Gibt es Boards, Kanban-Boards, analog oder digital, auf dem auch andere die Arbeit sichtbar sehen können, man Engpässe sieht und Orientierung bekommt? Vielleicht ist das Bild des Spielstandes am Fußballfeld gar nicht so schlecht gewählt.
Die Praxisfrage dahinter ist, kann jeder von uns auf einen Blick sehen, woran wir arbeiten? Das sind mal die ersten 2 Dinge, die stimmen müssen, damit Plug and Play funktionieren kann.
Klare Rollen, erkennbares System und die Transparenz dahinter, wie der Spielstand ist. Dazu kommt, und das hatten wir eben auch so schön mit Silkes Beispiel des Trikots und des Rückhalts, die Frage des Klebstoffes, nämlich des Vertrauens.
Es geht nicht um Freundschaft, deswegen auch der Titel "11 Freunde müsst ihr sein". Und es geht schon gar nicht um Harmonie, das hat Silke eben auch schon betont, sondern es geht sozusagen um die Sicherheit, dass wenn ich einen Fehler lasse, lässt mich niemand hängen, sogar wenn ich den Elfmeter für ein entscheidendes Spiel verschieße.
Gute Teams suchen nicht nach Schuldigen, sondern sie suchen nach Lösungen. Und deswegen nicht 11 Freunde müsst ihr sein, aber vertrauen müsst ihr euch. Wenn ich da ein bisschen weiter gucken möchte, wäre ich beim Thema psychologische Sicherheit, welches Amy Adminson auch so schön geprägt hat.
Und aus diesen 3 Komponenten, klare Rollen, Transparenz und Klebstoffvertrauen, da entsteht Plug and Play. Eine neue Kollegin kommt, versteht schnell, wofür das Team spielt. Sie kann ihre Rolle sehen, versteht das System, traut sich zu schießen, kennt den Spielstand und so bleibt ein Team leistungsfähig, auch wenn sich die Aufstellung ständig verändert.
Prof. Dr. Silke Sinning
Ich finde, das trifft es letztlich sehr gut. Wenn ich auf unsere Arbeit im Verband schaue, dann erleben wir genau das jeden Tag.
Menschen kommen neu dazu, werden berufen für eine Aufgabe, werden gewählt, andere Personen übernehmen neue Aufgaben oder hören eben auf. Da können wir nicht jedes Mal wieder von vorn anfangen oder bei 0 anfangen.
Wir müssen uns überlegen, wie wir diese Personen schnell in die Arbeitsprozesse hinein einbinden können, vielleicht besser gesagt. Wir haben Online-Boarding-Prozesse, ich versuche auch immer ein Gespräch mit den neuen hauptamtlichen Kollegen zu initiieren.
Wir bieten Workshops zu neu im Ehrenamt an und versuchen den neuen Kollegen zu Beginn einfach klare, übersichtliche, vielleicht kann man auch sagen, eher kleinere Aufgaben erstmal zu geben.
Was uns dabei hilft, sind eigentlich 3 Dinge:
Erstens, die Klarheit über unsere Ziele und Transparenz, woran wir arbeiten.
Zweitens, ebenfalls auch eine Klarheit, aber über unsere Rollen und natürlich dann auch über die Rolle desjenigen, der dann neu dazukommt.
Und drittens, ein Umfeld, in dem man eben Fragen stellen und Fehler machen darf.
Und vielleicht noch ein Gedanke aus dem Fußball, die erfolgreichsten Mannschaften sind ja selten die mit den besten Einzelspielern oder Einzelspielerinnen.
Erfolgreich sind die Teams, in denen jeder weiß, was zu tun ist, wie gespielt wird und in dem jeder spürt, dass die Mitspieler hinter ihm stehen. Und dann entsteht das Vertrauen, von dem Tanja eben gerade berichtet hat. Und Vertrauen ist am Ende die Voraussetzung dafür, dass Plug and Play überhaupt funktionieren kann.
Ich hab mir zu Beginn meiner Amtszeit auch ein paar Tage Ruhe gegönnt und mir mal klargemacht, was eigentlich mein Selbstverständnis ist, welche Werte ich vertrete und welche Haltung ich eigentlich einnehmen möchte.
Und dann hab ich in einer Klausurtagung meine Aufgaben vorgestellt, hab meine Stärken sozusagen dazu gegossen, habe aber auch deutlich gemacht, wo ich von den anderen Unterstützung brauche, von einigen oder eben auch von allen.
Und ich habe umgekehrt auch noch mal gefragt und auch ganz genau zugehört, wo ich die anderen unterstützen kann, wo ich Haltung zeigen kann, die für ihre Aufgaben notwendig sind.
Wir haben unterschiedlichste Beispiele, die wir da angehen, wir haben einen Sportcampus in Grünberg, den wir weiterentwickeln müssen, wir haben eine Spielklassenstrukturreform, die unser Spielklassen ja in eine veränderte neue Variante führen soll und jeweils sind ganz wichtige, für mich wichtige Personen dafür verantwortlich.
Und genau denen will ich natürlich auch den Rücken stärken, will ihnen Mut geben, ja, ihre Schritte zu machen und ihre Ideen umzusetzen und will mich auch mit Haltung neben sie stellen und deutlich machen, dass ich sicher bin, dass sie in jedem Fall einen richtigen Weg einschlagen.
Michael Scheffler
Das ist der perfekte Pass, Silke, um langsam zu Ende der heutigen Folge zu kommen. Vielleicht können wir einen kleinen Zwischenstand ziehen und festhalten, was wir für unsere HR.
Tanja, magst du mal anfangen, bitte?
Tanja Gröber
Ja, sehr gerne.
Dann starte ich mit erstens, Teaming ist ein Verb und um wirklich Teamarbeit zu erreichen, müssen alle Anstrengungen unternehmen und das auch wollen.
Dazu gehören natürlich auch geeignete Rahmenbedingungen, ein wenig Zeit und Wille und der aufmerksame Hörer oder die aufmerksame Hörerin hat eben gehört, wir sprachen nicht nur davon, was die Führungskraft zu tun hat.
Prof. Dr. Silke Sinning
Dann ergänze ich dich mal, Tanja. Ich hab von einer Vision gesprochen und sage, eine gemeinsame Vision schlägt jedes Organigramm. Menschen arbeiten nicht automatisch als Team, nur weil sie derselben Abteilung beziehungsweise dem gleichen Ausschuss oder dem Präsidium angehören.
Wirklicher Zusammenhalt entsteht erst, wenn alle verstehen, wofür sie gemeinsam spielen. Wir brauchen also eine klare Vision, das gemeinsame Ziel und gegenseitigen Rückhalt schaffen Orientierung, besonders in den Zeiten von Veränderungen und wechselnden Teamkonstellationen.
Man muss nicht 11 Freunde sein, aber man muss wissen, worauf man gemeinsam hinarbeitet und sich aufeinander verlassen können. Und sich die Vision und das Ziel oder auch die Teilziele mal in Halbzeitpausen wieder neu bewusst zu machen, gegebenenfalls auch neu zu justieren, ist immens wichtig.
Ich hab, bevor ich Präsidentin geworden bin, den Ausschuss Frauen und Mädchenfußball geleitet und am Ende hab ich den übergeben und genau. Obwohl ich ja lange Zeit diesen Ausschuss vorgesessen habe, hat man sich noch mal wieder zusammengesetzt und hat wieder sich neu justiert und hat noch mal gemeinsam überlegt, wie die jeweiligen Ziele dann in diesem neu entwickelten Ausschuss weitergeführt werden sollen
Tanja Gröber
Ja, dann komme ich zu drittens, Plug and Play.
Also Klarheit, Vertrauen und Transparenz, das ist die Ergänzung zu 1 zu Silkes Vision und Rückhalt.
Damit Teams nämlich auch bei Veränderungen leistungsfähig bleiben, müssen neue Mitglieder schnell verstehen, welche Rolle sie haben, nach welchen Regeln gespielt wird und woran das Team arbeitet.
Idealerweise auch, siehe Fußball, welcher Spielstand gerade vorherrscht. Also klare Rollen, transparente Zusammenarbeit und psychologische Sicherheit sind die Grundlage dafür, dass die Menschen sich einbringen können.
Das ist auch eine Aufgabe von Unternehmensführung unter.
Michael Scheffler
Danke Tanja und zum Abschluss möchte ich es noch mal ganz, ganz praktisch machen.
Wenn eine Personalerin, ein Personaler nach dieser Podcastfolge nur eine einzige Sache anders machen sollte, was wäre deine dringendste Empfehlung an Sie oder ihn?
Tanja Gröber
Vielen Dank für die Frage und und die ganze Welt gleich sozusagen aus den Angeln zu heben, sondern mit etwas Kleinem zu starten, gebe ich gerne den Hinweis, dass die Personalerin
sich und anderen mal die Frage stellen soll, bitte denk mal an die Gruppe deines Lebens, also so ist das Team die Gruppe, wo du sagtest, da war ich einfach unfassbar glücklich dazuzugehören.
Und dann soll sie sich mal das Lächeln in den Augen des Gegenübers anschauen und dann fragen, was kannst du heute dafür tun, dieses Lächeln auch in die Augen deines Teams, deiner Kollegin oder deiner Mitarbeitenden zu bringen.
Das wäre schon ein erster Schritt für heute, vielleicht Montagmorgen.
Michael Scheffler
Ja, danke dafür und Silke, vielleicht mal über den Sport hinaus gefragt, möchtest du noch was ergänzen?
Prof. Dr. Silke Sinning
Also im Ehrenamt möchten wir am Ende auch in glückliche Gesichter und strahlende Augen schauen, so wie bei Tanja, die sich auf und neben dem Platz befinden. Das macht uns, das Team, selbst glücklich und stolz und dann können auch unsere Augen leuchten.
Wir sollten uns daher immer wieder fragen, also auch kritisch reflektieren, was können wir dafür tun, dass der Ball noch effizienter gespielt werden kann und wie können wir das gemeinsam hinbekommen?
Michael Scheffler
Vielen Dank für das super spannende Gespräch.
Bevor wir schließen, möchte ich von euch beiden die wichtigsten Takeaways für unsere Hörerinnen und Hörer mitnehmen. Was sollen Personalerinnen und Personaler aus dieser Folge mitnehmen, wenn sie morgen mit dem Thema konfrontiert sind?
Tanja, möchtest du anfangen?
Tanja Gröber
Ja, sehr gerne.
Teaming ist ein Werk, hat sozusagen auch kein Ende und um wirklich Teamarbeit zu erreichen, müssen einfach Anstrengungen unternommen werden von HR
Unternehmensleitungen, von Führungskräften und von jedem und jeder einzelnen.
Prof. Dr. Silke Sinning
Dann würde ich mit dem nächsten Takeaway mich anschließen. Für mich ist eine Vision wichtig mit gemeinsamen Zielen, die erarbeitet werden sollten und man sollte seine Stärken, aber auch seine Schwächen offenlegen, damit alle wissen, wo der Einzelne genau welche Unterstützung benötigt und sie dann entsprechend einbringen kann.
Also entsprechend das Vertrauen sozusagen mit einbringen kann und weiter unterstützen kann.
Und das letzte Takeaway, ich finde es ganz wichtig, dass man die Mitstreiter, die Teammitglieder, ermutigt, ihre Ideen umzusetzen. Sie müssen einfach spüren, dass Sie auch Fehler machen dürfen.
Ich hab ja schon gesagt, aus Fehlern können wir sehr viel lernen, wenn wir sie gut reflektieren, wenn wir selbstkritisch sind und mit anderen auch kritisch diskutieren. Also wichtig wäre mir eine gute Fehlerkultur und eine gute Kritikfähigkeit.
Tanja Gröber
Dann, lieber Michael, können wir direkt auf den Titel dieses Podcasts referenzieren: 'Das unfertige Team', David Beer, Silke und ich, konnten darstellen, dass wir damit niemals zu Ende sind. Und dieser Mythos 11 Freunde müsst ihr sein, auch heute neu gedacht werden.
Michael Scheffler
Das war ViTalk HR - Gespräche, die People and Culture vitalisieren. Wenn du mehr zu dem heutigen Thema oder über Petriko HR erfahren möchtest, findest du alle Informationen in den Shownotes. Ich bin Michael Scheffler, danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.wnotes. Ich bin Michael Scheffler. Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.




