Julian Knorr von ONESTOPTRANSFORMATION als Talk Gast im petrichor hr Podcast
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Episode #04

Unsexy ist der KI Gamechanger – Warum Mindset über Erfolg oder Scheitern von KI entscheidet

Julian Knorr, CEO & Gründer der ONESTOPTRANSFORMATION AG, über ein Thema, das viele Unternehmen unterschätzen: Warum das richtige Mindset über Erfolg oder Scheitern von KI-Initiativen entscheidet.

Themen:

  • Warum 60–70 % aller KI-Projekte scheitern – und weshalb nicht die Technologie das Problem ist
  • Welche Rolle das digitale Mindset für nachhaltige Wertschöpfung spielt (Potenzial: 82 Milliarden Euro allein in Deutschland)
  • Warum Führungskräfte beim Thema KI umdenken müssen – weg von Tools, hin zum Menschen
  • Weshalb gerade die "unsexy" Faktoren den größten Einfluss auf den Erfolg von Transformation haben

Gast:
KI-Experte Julian Knorr, CEO & Gründer der ONESTOPTRANSFORMATION AG, einem strategischem Kooperationspartner von petrichor HR.

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Das Interview zum Nachlesen von ViTalk HR - Episode 4

Michael Scheffler

Hallo und herzlich willkommen zu VitTalk HR: Gespräche, die People and Culture vitalisieren. In dieser Folge sprechen wir über ein Thema, das aktuell in nahezu jedem Unternehmen diskutiert wird, oft mit großer Erwartung, aber auch mit ebenso großer Unsicherheit. Ich spreche natürlich von der künstlichen Intelligenz. Die meisten Organisationen investieren derzeit in Tools, Use Cases und Technologien, Was dabei häufig übersehen wird, der eigentliche Hebel liegt nicht in der Technologie, sondern im Mindset der Menschen. Oder zugespitzt formuliert, der entscheidende Erfolgsfaktor für KIist ausgerechnet das, was viele als unsexy bezeichnen. Genau über dieses Thema spreche ich heute mit Julian Knorr, CEO und Gründer von ONESTOPTRANSFORMATION.

Servus Julian, schön, dass du es heute schaffst und dir die Zeit für unseren Podcast genommen hast. Wir sprechen heute über das sogenannte digitale Mindset, über KI-Kompetenzen und die Frage, warum viele Unternehmen bei dem Thema KI nicht an der Technologie scheitern, sondern an sich selbst. Bevor wir aber inhaltlich einsteigen, würde ich dich bitten, dich kurz vorzustellen. Warum hast du ONESTOPTRANSFORMATION gegründet und warum beschäftigst du dich so intensiv mit dem Thema Mindset im Kontext von KI?

Julian Knorr

Hi Michael, ich freue mich sehr, dass ich heute dabei sein darf und mit dir über das spannende Thema Mindset und KI sprechen darf. Ja, warum habe ich ONESTOPTRANSFORMATION gegründet? Ehrlich gesagt, war das Ganze eine persönliche Scheitergeschichte. Ich bin im Jahr 2017 aus USA zurückgekommen. Ich habe dort in der Automobilindustrie gearbeitet und wollte eigentlich in Deutschland in eine klassische Strategieberatung gehen und hatte einige Jobinterviews und die sind allesamt nicht wirklich so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hab. Ich wurde von Jobinterview zu Jobinterview frustrierter. Warum? Weil ich als Person eigentlich irrelevant war.

Es ging nur um irgendwelche Zertifikate und Zeugnisse. Allen voran damals, ich hatte so ein Scrum Master-Zertifikat, wollte jeder wissen, ob ich das Zertifikat hab, aber mich hat niemand gefragt, warum ist dieses Zertifikat übrigens überhaupt relevant, was bedeutet es für meinen Arbeitsalltag. Und ich kannte es aber so aus dem Produktmanagement, dass man eigentlich alles, was man irgendwo am Ende steuern möchte, erstmal messen muss. Und dann hab ich mir überlegt, warum wird eigentlich im Bewerbungsprozess mit Blick auf die echt relevanten Kompetenzen nichts gemessen, sondern es wird nur auf Zertifikate geschaut. Und dann hab ich angefangen zu recherchieren, bin so mit dem Thema Diagnostik in Berührung gekommen und habe festgestellt, Mensch, es gibt viel Diagnostik, aber die bestehende Personaldiagnostik. und alles haben 2 Dinge gemeinsam.

Nummer 1, es schaut immer in den Rückspiegel, also es geht um vergangene Kompetenzen und Nummer 2, das schaut irgendwie alles aus wie Windows 95 und das war dann für mich im Endeffekt die Marktlücke, die ich gesehen habe, nämlich eine moderne Diagnostik für Zukunftskompetenzen, ein digitales Mindset aufzubauen. Damals gab es zu dem Begriff Mindset auch 0,0 Forschung in Deutschland und hab dann eigentlich aus meinem Scheitermoment daraus eine Chance gemacht und hab im Januar 2018 ONESTOPTRANSFORMATION gegründet und seitdem beschäftige ich mich ganz intensiv mit dem Thema Mindset, durfte dazu einige wissenschaftliche Paper veröffentlichen, auch ein Buch veröffentlichen und seitdem begleiten wir Unternehmen auch dabei, Mindset zu entwickeln, damit eben mit den neuen Technologien, wie auch künstlicher Intelligenz, gut umgegangen werden kann.

Michael Scheffler

Sehr spannend und das ist natürlich 'ne tolle Geschichte, da hast du sozusagen die persönliche Niederlage zum Erfolg gedreht. Hut ab, ich bin auch sehr froh, dass wir heute über das Thema sprechen können und deswegen, Julian, würde ich jetzt gleich mit dir gerne einsteigen wollen. Ja, wir erleben gerade eine Phase, in der nahezu jedes Unternehmen KI-Initiativen startet, getrieben vom Druck, nicht abgehängt zu werden. Gleichzeitig zeigen Studien, wie etwa das Edelman Trust Barometer, das habe ich im Internet recherchiert, dass etwa 42% der Menschen in Deutschland KI sehr kritisch sehen und dem gegenüberstehen. Daher meine Frage, Julian, wie bewertest du die aktuelle Situation, erleben wir echten Fortschritt oder ja, ist das eher ein KI Aktionismus.

Julian Knorr

Spannende Frage, weil diese, glaube ich, im Moment ganz viele Unternehmen auch beschäftigt. Ich sehe ehrlich gesagt im Moment eine Dreiteilung, wenn ich auf den Markt schaue. Wir haben zum einen die Unternehmen, bei denen es Klick gemacht hat, in Anführungszeichen, das heißt, die das Potenzial von KI sehen und das sehr gut operationalisieren und da sehr weit vorne mit dran sind und damit auch sehr große Produktivitätspotenziale heben können und schneller werden und die Qualität steigern. Das ist aber die kleinste Gruppe. Diese Gruppe sehe ich vor allem in den kleineren Unternehmen, die das als Schnellboot auch schnell umsetzen können. Dann haben wir die zweite große Gruppe, wo ab aktuell viel Aktionismus auch betrieben wird. Das heißt, wo es, wo die Geschäftsführer oder gewisse Leitungsfunktionen sagen, ja jetzt dieses KI Thema, das wird dauernd hier durchs Dorf getrieben, wir müssen jetzt auch mal KI machen und dann wird, was wir beobachten, sehr schnell sich über Technologie unterhalten, dann wird Technologie gekauft und dann gehofft, dass das jetzt der große Gamechanger fürs Unternehmen sein wird und da kommt ganz schnell auch eine Frustration dazu und dann gibt es eine dritte Gruppe, die ist kleiner als die zweite Gruppe, aber leider in Deutschland doch noch relativ groß, die erstmal KI ablehnen, entweder getrieben durch Angst oder auch ein bisschen durch Überforderung, weil sie nicht wissen, wo sie starten sollen oder drittes Motiv, weil sie sagen, haben wir haben schon immer ohne KI gearbeitet, also wird es in Zukunft auch so funktionieren. und dort noch nicht so wirklich die Chancen darin sehen. Und deswegen sehe ich diese Dreiteilung aktuell und ich glaube, dass wir im Jahr 2026 ganz klar raus sind aus der Phase der Spielerei, also auch aus der Phase des Aktionismus und jetzt wirklich in die Umsetzung kommen. Und die Umsetzung ist eben deutlich mehr als eine reine KI Toolshow.

Michael Scheffler

Ja, das erlebe ich tatsächlich auch in meiner Praxis. Ich bin ja im SAP Business unterwegs und auch dort ist das Thema KI definitiv angekommen und wird auch immer mehr nachgefragt beziehungsweise von den SAP Anwenderunternehmen implementiert. Viele Organisationen investieren auch sehr massiv in KI Tools und Use Cases. Was ich in Gesprächen mit HR Verantwortlichen aber immer wieder höre: Die Technologie ist da, aber die Nutzung bleibt hinter den Erwartungen zurück. Warum ist das so? Warum ist der Fokus auf Technologie aus deiner Sicht so eindimensional?

Julian Knorr

Wir kennen alle das gute alte Eisbergmodell und wenn wir uns jetzt mal so einen Eisberg vorstellen, dann haben wir oben auf der Spitze des Eisbergs heute in der KI-Transformation die KI-Technologie stehen. Das ist das, was ich sehen kann, was ich anfassen kann, was ich mal schnell ausprobieren kann. ChatGPT hat jeder schon mal geöffnet und das kann auch total begeistern, wenn man sagt: 'Mensch, hast du schon gesehen, was jetzt da das neue Cloudmodell kann, was hier Gemini kann. Nur wenn wir nur über die Technologie sprechen, dann sprechen wir und jetzt bitte wieder an das Eisbergmodell denken, nur über die Spitze des Eisbergs. Darunter und das ist aber immer noch sichtbar und oberhalb der Wasseroberfläche liegen noch die Prozesse. Ja, wie kann ich meine Prozesse durch KI anpassen und eventuell sprechen Unternehmen auch noch über eine Veränderung des Geschäftsmodells durch künstliche Intelligenz, zum Beispiel in Dienstleistungsbranchen, Weg von stundenbasierter Abrechnung hin zu einem wertebasierten Abrechnungsansatz. Nur die beste Technologie, der beste Prozess und das beste Geschäftsmodell nutzen mir rein gar nichts, wenn ich darunter liegend nicht die Menschen habe, die mit dieser Technologie, den neuen Prozessen und dem neuen Geschäftsmodell umgehen können. Und das ist der unsichtbare Teil des Eisbergs. Das heißt, das große Fundament des Eisbergs der KI Transformation und Hier ist das digitale Mindset entscheidend, denn die KI Welt entwickelt sich so rasant schnell. Aktuell reden wir über eine Verdopplungsgeschwindigkeit der Leistungsfähigkeit von KI alle 4 bis 6 Monate. Das heißt, wir können heute gar nicht mehr prognostizieren, wirklich welche technologischen Fähigkeiten brauchen wir denn in 6 oder in 12 Monaten. Was wir aber wissen, wenn wir ein passendes digitales Mindset haben, dann sind wir in der Lage, auch mit diesen Veränderungen umzugehen. Das heißt, Unternehmen sollten viel mehr schauen, dieses große Fundament des Eisbergs anzugehen und hier den Fokus drauf zu legen, wenn KI langfristig wirklich zum Erfolg werden soll. Und ich beobachte da, Michael, immer wieder auch ein Investitionsparadoxon für den oberen Teil, für die Spitze des Eisbergs. Das heißt, für die Technologie wird unheimlich viel investiert und damit meine ich nicht zwingend nur Geld, sondern damit meine ich auch Aufmerksamkeit und Zeit. Und für den unteren Bereich, der eigentlich viel größer ist, nämlich das Fundament des Eisbergs, das Mindset, wird viel, viel weniger investiert, weniger Geld, Zeit und Aufmerksamkeit. Und ich glaub, die große Herausforderung in der Transformation ist, ist genau das zu verändern, dass wir unten anfangen, dort richtig viel investieren. Und wenn ich dann das passende Mindset und die passende KI Kompetenz hab, wird sich der obere Teil deutlich leichter und mit einem weniger großen Invest auch realisieren lassen.

Michael Scheffler

Ja, ein schönes Bild, was du da zeichnest. Das finde ich verdeutlicht die Situation sehr gut und du hast auch gerade das digitale Mindset angesprochen. Mir liegt eure Studie digitales Mindset als Basis für KI Kompetenzen vor. Darin ist vom digitalen Mindset eben als entscheidender Erfolgsfaktor die Rede. Du hast das gerade mit dem Eisberg verglichen. Für viele klingt das erstmal nach einem Softskill würde ich dazu sagen wollen, den man mal eben in einem Workshop vermitteln kann. Was verstehst du denn ganz genau unter dem digitalen Mindset? Du hast schon ein bisschen umrissen, warum ist das mehr als ein Softskill deiner Ansicht nach?

Julian Knorr

Warum ist es mehr als ein Softskill? Weil es nachweislich einen Einfluss auf gewisse Unternehmens-KPIs hat, die wirtschaftlicher Natur sind. Dazu aber gleich mehr. Erstmal, was ist ein digitales Mindset? Ganz oft wird ein digitales Mindset mit Haltung oder auch mit Einstellung gleichgesetzt und das trifft leider nicht ganz zu, sondern ein Mindset ist deutlich tiefliegender. Mach ein kurzes Beispiel, meine Haltung kann ich sehr schnell verändern, da braucht brauch ich nur einen Umwelteinfluss und danach hab ich eine andere Haltung.

Beispielsweise, ich trinke gerne Kaffee, wenn mir nachmittags um 14:00 Uhr ein Kaffee angeboten wird, würd ich sagen, ja, hab ich Lust dazu. Das heißt, meine Haltung gegenüber diesem Kaffee ist positiv, wenn mir nachts um 02:00 Uhr jemand diese gleiche Tasse Kaffee anbietet, dann werd ich wahrscheinlich dankend ablehnen, weil mit dem Koffein weiß ich, dass ich nicht mehr schlafen kann. Das heißt, nur weil sich die Uhrzeit geändert hat, hat sich meine Haltung gegenüber dieser Tasse Kaffee geändert und Mindset verändert sich nicht so schnell. Das heißt, nur weil ich jetzt zeige, schaut mal, das könnt ihr mit KI machen, ist mein Mindset kein anderes. Sondern Mindset ist tiefliegender.

Wir reden bei Mindset aber auch nicht über unveränderbare Persönlichkeitseigenschaften, wie wir sie auch zum Teil in uns haben. Als wir haben ja sehr stabile Persönlichkeitseigenschaften auch in uns, sondern ein Mindset liegt irgendwo dazwischen. Das heißt, das Wörtchen, was im Deutschen dem Thema Mindset am nächsten kommt, ist Mentalität. Und auch da können wir uns ja gut was drunter vorstellen, wenn wir in den Urlaub reisen und dort in einen anderen Kulturkreis reisen. wird uns vielleicht auffallen, Mensch, da ist die Mentalität eine andere. Wenn ich nach einer Woche aus diesem Urlaubsland wieder zurückkomme und in Deutschland wieder ankomme, dann hab ich aber meine Mentalität nicht geändert, obwohl es mir aufgefallen ist. Wenn ich allerdings für 30 Jahre in einen anderen Kulturkreis ziehe und dann nach Deutschland mal auf Heimaturlaub bin, dann kann es durchaus sein, dass ich meine Mentalität angepasst habe. Und genauso ist es auch mit Mindset.

Ein Mindset zu verändern dauert in Durchschnitt, um überhaupt eine messbare Veränderung feststellen zu können, 6 bis 9 Monate. Das heißt, das ist wirklich ein langfristiger Prozess. Was bedeutet jetzt das Wörtchen digital dabei? Es geht nicht um die Anwendung von KITools oder von einem Concept Board oder Microsoft Teams, auch nicht wie gut ich programmieren kann, sondern ein digitales Mindset beschreibt die Mentalität, Das heißt, gewisse Persönlichkeitseigenschaften, die langfristig veränderbar sind und erfolgskritisch für den Umgang mit digitaler Transformation sind. Das heißt, hier geht es um Themen wie Kundenzentriertheit, Kritikfähigkeit, einen offenen Umgang mit Scheitern, Offenheit und Agilität, aber auch Proaktivität und unternehmerische Handlungsorientierung. Das heißt, allesamt Themen, die auch vor der digitalen Welt schon da waren, aber in der Kombination und in der Priorisierung. heute nachweisbar erfolgskritisch sind für den Umgang mit der Veränderung.

Michael Scheffler

Ja, in der Transformationsberatung sehen wir auch immer wieder, Unternehmen bauen KI Roadmaps, definieren Use Cases, schulen in Tools und trotzdem verpufft die Wirkung. Ist Mindset tatsächlich der limitierende Faktor für den Erfolg von KI Initiativen? Du hast es jetzt schon sehr deutlich rübergebracht, aber vielleicht kannst du da drauf noch mal ein bisschen eingehen, bitte.

Julian Knorr

Sehr gerne. Ja, Mindset ist am Ende der kritische Erfolgsfaktor, denn ich vergleiche das immer gerne mit dem Kauf eines Ferraris. Wenn ich meinem Nachbar einen Ferrari kaufe und sage, jetzt kannst du schneller Auto fahren, der Nachbar aber leider keinen Führerschein hat, dann wird er von diesem Ferrari nicht profitieren können. Denn diese Tools heute sind so unheimlich mächtig. Wenn mir aber gar nicht bewusst ist, was ich mit diesen Tools machen kann und ich nicht die Offenheit mitbringe, also eine der wichtigen Mindset-Dimensionen, dass diese Tools immer mehr können und dass ich damit meine Prozesse hinterfragen kann und damit langfristig wirklich eine KI First Denke implementieren kann, dann werde ich von dem Tool auch nicht profitieren.

Und deswegen sind viele Unternehmen gerade auch so ein bisschen gefrustet mit KI, weil sie sagen, na ja, wir haben doch jetzt dieses Tool gekauft und was machen die Leute, entweder fragen sie immer noch, dass ihnen ChatGPT 'n Witz erzählen soll oder im besten Fall lassen sie sich eine E-Mail formulieren, aber umgedreht wird die ganze Power nicht gehoben und andere, die das das Mindset mitbringen und verstehen, Hater, das ist gerade wirklich eine Veränderung in der Art und Weise des Arbeitens, die können davon mehr und mehr profitieren. Und das, wir haben uns das auch angeschaut, du hast die Studie angesprochen, zum Beispiel, wenn ich mir die Mindset Dimension kundenzentrierter raussuche, dann hat allein eine Steigerung im Bereich Kundenzentriertheit im Mindset in meinem Unternehmen, habe ich ein Potenzial von plus 42% für mehr KI-Innovationen.

Umgedreht genauso, wenn ich eine höhere Kreativität aufbringe, das heißt auch ein Mindset, eine Mindset-Dimension hier habe, habe ich ein Steigerungspotenzial von plus 22% für mehr Automatisierung im Unternehmen, weil ich auf einmal Prozesse anders denken kann. Und so haben wir uns wirklich Dimension für Dimension vorgenommen und mal wissenschaftlich analysiert, welche Auswirkungen hat das am Ende auf den Projekterfolg und auf die Nutzung von KI und die Auswirkungen sind wirklich signifikant und deswegen auch der Grundstein, dass KI Transformation funktioniert.

Michael Scheffler

Ich hab mir die Studie auch ein bisschen genauer angeguckt in Vorbereitung auf die heutige Podcastfolge, wie ich gelesen hab, habt ihr über 3600 Mindsetdaten mit branchenbezogenen Wirtschaftsindizes gematcht. Das ist methodisch wirklich beeindruckend und geht eigentlich weit über das hinaus, was man so kennt bei klassischen Befragungen. Du hast es auch schon 'n paar Erkenntnisse aus dieser Studie genannt, was kannst du denn da noch so an wichtigen Erkenntnissen nennen?

Julian Knorr

Sehr gerne, wir beschäftigen uns jetzt mit dem Thema digitales Mindset aus Studiensicht seit dem Jahr 2018. Das heißt, wir schauen uns natürlich auch außerhalb jetzt der reinen KI-Nutzung an, welche weiteren Effekte hat ein digitales Mindset auf Unternehmen und auf den Umgang mit Transformation. Und da finde ich, hat diese Studie mal wieder spannende Erkenntnisse gebracht. Für den Bau von digitalen Geschäftsmodellen hat zum Beispiel die Mindset-Dimension Offenheit und Agilität ein Steigerungspotenzial von 25%, Das heißt, ich bekomme 25% mehr digitale Geschäftsmodelle, wenn wenn ich es schaffe, meine Mitarbeitenden ein bisschen offener, ja zu entwickeln. Das heißt hier diese höhere Offenheit und Agilität in der Mentalität zu entwickeln. Beeindruckende Zahlen und das ist so der absolute Ausreißer nach oben im positiven Sinne, ist die Kundenzentriertheit und der Einfluss von Kundenzentriertheit auf die Entwicklung von neuen digitalen Produkten.

Und da sehen wir wirklich eine ein Steigerungspotenzial von bis zu 119 Prozent, wenn ich mein Mindset im Bereich Kundenzentriertheit entwickle, dass ich neue digitale Produkte rausbekomme. Ich glaube, das sehen wir alle auch und können wir gut nachvollziehen, wenn wir näher an den Kunden rücken und das ist immer so eine abgedroschene Plattitüde, wir müssen vom Kunden her denken. Ja, aber wenn wir es wirklich machen und wirklich mal den Kunden befragen, was ist denn dein deine Herausforderung gerade, dann wird es uns gelingen, bessere und mehr digitale Produkte auch zu bauen. Und last but not least, ein Blick auf die Beschäftigungsentwicklung, das heißt ein auch ein Indikator für die Innovationskraft eines Unternehmens, das sehen wir, wenn wir unser Mindset in der Organisation im Bereich Kritikfähigkeit weiterentwickeln, haben wir hier ein Potential von bis zu 42%, dass wir eine positive Beschäftigungsentwicklung hinbekomme.

Also wir sehen, das waren jetzt mal nur so ein paar Highlights aus der Studie, dass am Ende dieser sogenannte Softskill, wo ich oft auch zu hören bekomme, Julian, du mit deinem Räucherstäbchen Thema, einen harten Einfluss auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen hat. Und Michael, das ist was, wo ich jetzt seit mehr als 8 Jahren immer wieder darüber spreche, dass wir den Fokus gerade in Deutschland, wo unsere einzige echte Ressource am Ende wirtschaftlich gesehen wir Menschen sind, dass wir den Fokus einfach in den Organisationen bitte auch auf die Menschen als erstes legen sollten und erst dann über Prozesse, Technologie oder über Geschäftsmodelle reden sollten.

Michael Scheffler

Das ist ein superspannender Punkt, wenn wir hier mal so ein bisschen rauszoomen auf die Makroebene. Ich hatte nämlich auch in eurer Studie gelesen, dass 2,1% der Bruttowertschöpfung in Deutschland auf das digitale Mindset zurückzuführen sind. Das fand ich super imposant, das entspricht einer Wertschöpfung oder einem Wertschöpfungspotenzial von 82 Milliarden Euro. Also, wenn das keine harten Fakten sind, dann weiß ich auch nicht, was bedeutet das konkret für Unternehmen in der Praxis, was habt ihr dafür Rückschlüsse daraus gezogen?

Julian Knorr

Ich finde die Studie zeigt noch mal 1 sehr beeindruckend, dass das, worüber auch die Politik so seit ein paar Jahren immer mehr anfängt zu reden, dass wir einen Mentalitätswandel brauchen, dass wir wieder, ja, ich sag mal, anfangen müssen, flexibler zu sein und uns auch umstellen zu müssen, dass das am Ende wirklich auch auf makroökonomischer Ebene eine Veränderung nach sich ziehen kann. Und wie kommt diese makroökonomische Sichtweise überhaupt zustande? Ich hab gerade die mikroökonomischen Auswirkungen genannt, also positive Beschäftigungsentwicklung, wir haben mehr digitale Produkte. mehr digitale Geschäftsmodelle, eine höhere KI-Adaption, all das führt ja immer zu 2 Resultaten bei Unternehmen.

Nummer 1. ich werde produktiver, das heißt, ich kann den gleichen Output mit weniger Zeit und damit Invest generieren und Nummer 2. ich bin in der Lage, meine Qualität zu steigern und hab werde damit mehr Kunden anziehen und wenn man das jetzt nur mal hochrechnet von jedem Unternehmen, was wir in Deutschland haben, wenn wir allein im Mittelstand schauen, der über 99% der der Unternehmen in Deutschland ausmacht, dann werden wir damit natürlich makroökonomisch profitieren und von daher bin ich schon davon überzeugt, dass wir gar nicht so viel Investment in Technologie brauchen, sondern wir sollten erstmal die bestehende Technologie nutzen und dieses Potenzial heben, weil das ist deutlich günstiger vom Invest her, als wenn ich direkt wieder schreie, wir brauchen ganz viel Geld für neue Technologien.

Michael Scheffler

Du hast doch gerade diese Mindset-Dimensionen angesprochen, auf die würde ich jetzt gern noch mal ein bisschen vertiefen eingehen wollen. Ihr habt da von Offenheit und Agilität über Kundenzentriertheit, die du jetzt auch schon angesprochen hast, bis hin zum Umgang mit Scheitern in Summe eben diese 6 Mindset-Dimensionen identifiziert. Welche Dimensionen des digitalen Mindsets sind deiner Meinung nach denn besonders kritisch, wenn wir jetzt über den KI Erfolg noch mal sprechen.

Julian Knorr

Per se muss man erstmal sagen, dass alle Mindset-Dimensionen erfolgskritisch sind für den Einsatz von KI-Technologien. Aber wenn ich jetzt welche rausgreifen müsste und mal mich nur an den Zahlen orientiere, dann sind das vor allem 3 Dimensionen. Und auf da kann ich jedem Unternehmen nur empfehlen, darauf erstmal auch den Wert zu legen. Das ist einmal die Kundenzentriertheit, das ist Nummer 2, die Proaktivität und das ist Nummer 3, die Kritikfähigkeit. Und übertragen auf KI. Kundenzentriertheit Nummer 1. Wir sollten nicht KI um des KI willens nutzen. und sagen, oh das ist so cool und jeder macht KI und deswegen müssen wir jetzt auch KI machen, sondern wir sollten schauen. Welchen Mehrwert hat eigentlich mein Kunde davon und der Kunde kann ja intern wie auch extern sein. Und dann sollte ich mal auch meine KI-Nutzung vom Kunden her ausrichten. Nummer 2 die Proaktivität. KI verändert sich so schnell. Ich hab vorhin die wahnsinnige Entwicklungsgeschwindigkeit schon angesprochen. Ich sollte hier schauen, dass ich irgendwie bildlich gesprochen vor der Welle surfe.

Das heißt, dass ich immer wieder schaue, was tut sich gerade im Markt. In den letzten Monaten reden alle über KI Agenten zum Beispiel. Was bedeuten KI Agenten für mein Geschäftsmodell? Welche echten Potenziale gibt es hier? Das heißt, dass ich vorausschauend schon mal versuche, Technologien auszuprobieren und da Chancen zu identifizieren. Und Nummer 3 Kritikfähigkeit, ich werde nicht alles zum Erfolg führen, definitiv werde ich Misserfolge haben. Deswegen ist es wichtig auf andere zu hören, die mich kritisieren, weil sie sehen, Mensch Julian, du läufst gerade komplett in die falsche Richtung, ich hab das schon mal probiert, lauf da nicht weiter, du läufst ins offene Messer rein, geh vielleicht 2 Grad weiter links oder weiter rechts. Und diese Kritikfähigkeit muss ich auch kulturell im Unternehmen erstmal schaffen. Das ist gar nicht so einfach, weil wir es gewohnt sind, Kritik oft leider als was Negatives abzustempeln, anstatt dass Kritik eigentlich nur ein externer Datenpunkt ist, von dem ich lernen kann. Und auf die 3 meiste Dimensionen würde ich mich als Unternehmen zu Beginn fokussieren.

Michael Scheffler

Wenn wir über Unternehmen sprechen, dann geht es natürlich auch oftmals um die Führungskräfte und von denen hört man so oftmals die Aussage, dass das Team grundsätzlich offen ist für Neues, aber gleichzeitig bleiben dann die KI Tools, die eingeführt werden, doch monatelang ungenutzt. Wo siehst du denn aktuell die größten Defizite im Mindset, was das anbelangt?

Julian Knorr

Vielleicht erstmal damit beginnen, warum bleiben diese KI Tools dann oft monatelang ungenutzt? Das hat meines Erachtens ganz viel auch mit Führung oft zu tun, weil natürlich muss ich ja am Anfang ein bisschen Zeit investieren, um von KI auch zu profitieren. Das ist das gute alte Bild mit der Axt und dem Baum. Aber ich kann entweder mit der stumpfen Axt auf den Baum einschlagen oder ich nehm mir halt mal 10 Minuten Zeit, die Axt zu schärfen und schlag dann mit einer scharfen Axt auf den Baum ein. Wenn ich aber von meiner Führungskraft so viel Workload bekomme und nicht die Freiheit bekomme, mich mal mit KI zu beschäftigen und damit wirklich zu lernen, dann werd ich nie davon profitieren.

Das heißt, das hat gar nicht so sehr was mit dem Mindset der Mitarbeitenden zu tun, sondern vielmehr was mit einer Führungsaufgabe. Und wenn wir dann in mal rein auf das Mindset der Mitarbeitenden schauen, da sehen wir eben ganz oft, dass die Proaktivität für diese neuen Tools leider oft nicht so vorhanden ist, wie wir sie bräuchten. Und das Zweite auch, die Kundenzentriertheit nicht so vorhanden ist, sondern man bleibt in seinen Prozessen, so wie man es schon immer gemacht hat. und kommt aus der Aufgabe und der Organisation eher raus, weil und jetzt schließt sich der Kreis zur Führung, ich auch gar nicht den Spielraum hab, den Prozess überhaupt mal zu hinterfragen, weil wenn ich KI Agenten beispielsweise nehme, dann bietet mir der KI Agent die Chance, den Prozess komplett neu zu definieren, nur oft hab ich nicht die Freiheit, den Prozess neu zu definieren und profitier deswegen auch nicht und dann lass ich das KI Tool wieder liegen.

Michael Scheffler

Ja, Stichwort Schulungen der Mitarbeiter, der EU A.I. Act verpflichtet Unternehmen ja alle Mitarbeitenden mit KI Bezug zu schulen. Gleichzeitig scheitern laut verschiedenen Studien 60 bis 70% aller KI Projekte in der Umsetzung, darüber hatten wir auch gerade schon gesprochen. Warum scheitern denn so viele KI Projekte in der Umsetzung, liegt es wirklich an der Technologie oder an dem Menschen, du hast doch das Thema Führung angesprochen, welche Aspekte siehst du da noch so?

Julian Knorr

Da gibt es ja ganz viele Studien und die, die du jetzt zitiert hast, die sind sogar noch freundlich. Es gibt eine sehr bekannt gewordene Studie vom MIT, die sogar sagen, 95% der KI Projekte scheitern nach 95% aktuell und bringen keinen ROI und das MIT hat sich auch mal angeschaut, was sind die Gründe dahinter und die Gründe sind allen voran bauen statt kaufen. Das heißt, ganz oft wird versucht, jetzt das eigene unternehmensinterne Tool zu bauen. und vielleicht noch anzufangen, eigenes Sprachmodell aufzubauen, sehen wir gerade bei großen Mittelständlern oft, anstatt auf das Bestehende zu gehen und zu sagen, da gibt es doch schon Tools, wir kaufen diese ein und konzentrieren uns auf das, was wir gut können, nämlich dann die Integration im Unternehmen und unser Geschäftsmodell. Grund Nummer 2 ist Demos statt Integration, das heißt, ich versuche immer wieder neue Tools aus, also mach hier die riesige Tool-Roadshow im Unternehmen, anstatt mir 23 Tools zu nehmen und diese tief in den Prozessen zu integrieren. Ich glaub, das ist auch eine der größten Prozessaufgaben in den nächsten Jahren.

Wie kriegen wir KI in unsere Prozesse integriert und designen Prozesse hier neu? Und Nummer 3 ist der Fokus von KI-Initiativen. Der liegt viel zu oft heute noch auf Marketing und Kommunikation, anstatt ihn breit zu denken und zu schauen. In welchen administrativen Bereichen, in welchen Bereichen, die mich am meisten Zeit kosten und viele Nerven kosten, könnte mir KI helfen? Und darunter liegt die ganz große Schicht der Befähigung. Und das zeigen ganz viele Studien, dass es oft gar kein Problem mehr ist, was die Tools können, weil die sind heute so technisch potent schon, sondern einfach an der Anwendung liegt. Und da sind wir wieder beim Mindset und dann schließt sich das Ganze. Orchestriert werden sollte das natürlich durch passende Rahmenbedingungen und durch eine passende Führung. Rahmenbedingungen heißt, dass ich auch die Tools zur Verfügung habe, weil das auch nichts bringt, die Mitarbeitenden zu schulen.

Und dann gebe ich ihnen erst mal aus Datenschutzgründen oder aus anderen betrieblichen Gründen keinen Zugang oder sag, ihr müsst euch einen Account teilen, auch schon oft gesehen. Und das Zweite ist das Thema Führung, dass ich von meinen Führungskräften eben auch. ermutigt werde, Dinge mit KI auszuprobieren, die Freiräume bekomme und vielleicht, und das ist ein kleiner Praxistipp, in meinem Team auch sowas habe wie eine KI Viertelstunde, wo jeder am Ende mal ganz kurz am Ende eines Teammeetings noch sagen kann, folgende Use Cases habe ich letzte Woche mit KI ausprobiert und das waren meine Erfahrungen.

Michael Scheffler

Lass uns mal ein bisschen über Umsetzung sprechen. Angenommen, ein mittelständisches Unternehmen kommt heute zu euch und sagt, wir wollen jetzt mit KI starten, aber wissen nicht, wo wir anfangen sollen. was wär deine Empfehlung, wo sollte ein Unternehmen konkret starten? Bei der Technologie hab ich jetzt gerade gelernt, eher schwierig, also doch eher beim Menschen.

Julian Knorr

Ich würde definitiv beim Menschen starten. Erster Schritt wäre erstmal eine Grundlagenkompetenz aufzubauen, weil wenn ich diese Grundlagenkompetenz habe und verstehe, was da draußen an KI Tools vorhanden ist, welche KI Anwendungsfälle schon umgesetzt worden sind, Dann bekommen die Mitarbeitenden, und zwar nicht zentral die IT-Abteilung, sondern die Mitarbeitenden in den Fachbereichen, nach und nach ein Verständnis. Hey, cool, da kann ich ja auch diesen Prozess verändern, den der IT-Bereich vielleicht gar nicht kann, kennt. Da könnte ich vielleicht jenen Prozess verändern, da kann ich vielleicht meinen meine ganze Ablauforganisation verändern. Aber das sollte aus der Organisation rauskommen und dann mache ich im nächsten Schritt eine klare Priorisierung, dass ich alle Use Cases sammle. Und dann schaue anhand einer, wo ich ein großer Fan davon bin, einer Impact Effort Matrix. Das heißt, wie viel Einfluss hätte diese dieser KIUse Case für uns und wie groß ist der Aufwand? Und dann priorisier ich das und starte mit den Quick Wins erstmal, um in der Organisation sichtbar zu machen, KIist mehr als Spielerei und kann uns echt was helfen.

Michael Scheffler

Aber ist jetzt dieser Use Case Workshop wirklich der erste Schritt? Also ihr empfehlt ja eigentlich eine Standortbestimmung. beim Mindset als allererste Maßnahme oder hab ich das richtig verstanden?

Julian Knorr

Nein, also sorry, dann kam das jetzt gerade auch falsch rüber. Use Cases sind nachgelagert, als allererstes ist die Befähigung da und für so eine KI Kompetenzbefähigung und auch Mindsetentwicklung starten wir immer mit einer Diagnostik.

Michael Scheffler

Ja, O.K.

Julian Knorr

Und zwar messen wir hier einmal das digitale Mindset und dann im Konkreten auch noch die KI Kompetenz on top. Warum? weil wir damit einen Startpunkt haben und ganz genau wissen und jedem individualisiert langfristig dann die passenden Entwicklungsimpulse mitgeben können, die passenden kleinen Lerninhalte für eine Mindset Entwicklung und dadurch befähigen wir die Menschen kontinuierlich, machen dann einen KI Kompetenzworkshop meistens und dann geht es in die Use Cases. Aber ohne zu Beginn diese Befähigung zu haben, kann ich mir die Use Cases hinten rausspannen. Plus, warum messen wir, weil wir im Idealfall nach einem halben Jahr wieder messen, nach einem Jahr wieder messen, nach einem eineinhalb Jahren wieder und dann sehen wir ganz genau, OK, in welchen Bereichen sind wir gerade schon gut unterwegs, wo entwickeln sich Mindsets schon ganz gut und wo noch nicht und dann kann man eben individuell auch nachsteuern, weil wenn ich 100 Menschen vor mir habe, habe ich auch 100 verschiedene Mindsets vor mir.

Michael Scheffler

Mhm, absolut. was sind deiner Erfahrung nach so typische Fehler in KI Projekten, hast du da noch so ein bisschen was aus der Praxis für uns?

Julian Knorr

Lieblingsfehler Nummer 1 ist, ich habe mal folgendes Tool ausprobiert, das ist cool, das müssen wir jetzt alle nutzen, also dass man vom Tool kommt und nicht vom Mensch und vom Anwendungsfall her. Nummer 2 auf einen schnellen KI ROI zu pochen als Führungskraft, aber nicht die Zeit zu geben, dafür zu lernen, das hatte ich jetzt schon öfters heute angesprochen, dann wird es nämlich nicht funktionieren. Und Nummer 3 zu denken, dass es den einen KI Play Button gibt. Also was meine ich damit? Ganz viele Unternehmen denken dann, Mensch cool, wir haben uns jetzt gut befähigt und dann kaufen wir ein einziges Tool ein und das das erschlägt alles. Aber wir haben ganz vielfältige Prozesse in den Organisationen, das heißt, ich werde wahrscheinlich auch vielfältige Anwendungsfälle haben und damit Wird es vielleicht nicht das One-Size-Fits-All-Tool geben, sondern ich brauch da eine gewisse Tool-Flexibilität und im Idealfall bau ich mir ein KI-Betriebssystem, wo jeder Mitarbeiter das für ihn oder sie passende KI Tool für die passende Aufgabe an die Hand bekommt. Und meine Prognose ist auch, dass wir langfristig gar nicht mehr über KI-Tools sprechen, die wir aufrufen, sondern dass die KI-Tools mehr zu uns kommen. Das heißt, sie im Idealfall nahtlos in unseren Arbeitsalltag integrieren. Wenn ich hauptsächlich auf Microsoft Teams unterwegs bin, dann sollte ich die Möglichkeit haben, mit meinen KI-Agenten über Teams zu sprechen. Wenn ich hauptsächlich über E-Mail mich organisiere, sollte ich die Möglichkeit haben, dem eine E-Mail zu senden. Also ich glaube, wir werden wegkommen von diesem 'Ich gehe in ein Chat-Interface'.

Michael Scheffler

O. K. und dann jetzt noch eine ganz wichtige Frage, um langsam zum Ende zu kommen. Viele unserer Zuhörerinnen und Zuhörer sind ja im HR verortet. Meiner Erfahrung nach sitzen HR-Verantwortliche aber oftmals ein bisschen zwischen den Stühlen, wenn es um KI geht. Denn die IT Abteilung, die treibt die KI Technologien, das Business will Use Cases sehen und HR soll die Organisation mitnehmen. Welche konkrete Rolle siehst du denn für HR bei solchen KI Transformationen, was ist denn da so deine Empfehlung?

Julian Knorr

Meines Erachtens hat es nicht zwingend nur was mit KI Transformation zu tun, sondern generell mit der Rolle von HR. Ich bin der Meinung, HR sollte vielmehr eine Gestalterrolle als eine Verwalterrolle innehaben. Das heißt, hier wirklich auch mit zu entscheiden, dass KI Transformation und auch jede andere Transformation beim Menschen aus beginnen soll und sich nicht nur in die Rolle, ja, wir machen dann mal die Schulungen und kümmern uns darum, sich selbst in diese Rolle zu bringen oder vielleicht gebracht zu werden, sondern vielmehr zu sagen, OK, der Business Impact von KIist riesig, wenn wir die Menschen richtig schulen, das ist ein Part, aber lasst uns doch dann mal drüber nachdenken, wie schaut unsere strategische Workforce Pläne, unser strategisches Workforce Planning aus, also welche Kompetenzen werden wir langfristig brauchen, welche Rollen werden wir langfristig brauchen, um dann alle Entwicklungsschritte dorthin auch mit zu begleiten und das sind Organisationsentwicklungsschritte, sind aber genauso IT Entwicklungsschritte, weil wenn ich im strategischen Workforce Planning feststelle, dass ich manche Skills, die ich in Zukunft benötige, vielleicht über KI Agenten abbilden könnte, dann spiele ich auf einmal auch in der IT Roadmap eine wichtige Rolle und ich glaube, da muss HR viel mehr in diese Gestalterrolle rein, als sich nur auf die Schulungsbeschaffung zu fokussieren.

Michael Scheffler

Vielen Dank, dann würde ich gerne zur abschließenden Rubrik mit dir kommen, Julian, das heißt, unsere Key Takeaways.

Julian Knorr

3 knackige Takeaways, die Sie in Erinnerung behalten sollten.

Michael Scheffler

Julian, wir haben heute über das digitale Mindset als oft unterschätzten Erfolgsfaktor für KI gesprochen. Was sind deine 3 wichtigsten Takeaways für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, die morgen mit KI Themen in ihrer Organisation konfrontiert sind.

Julian Knorr

Mein Takeaway Nummer 1 ist Mindset für Technologie, Hier nutzt das beste KI Tool nichts, wenn du nicht das Mindset hast, das heißt offen bist, kundenzentriert bist, kritikfähig bist, proaktiv bist, aber auch offen mit Scheitern umgehst und kreativ bist. Denn nur dann wirst du in der Lage sein, diese KITools langfristig gut einzusetzen. Das heißt, Mindset vor Technologie.

Takeaway Nummer 2 „unsexy“ ist der Gamechanger, was meine ich damit? Wir sollten nicht nur auf die Sexy Use Cases schauen, die irgendwo auf Instagram oder LinkedIn cool aussehen. Das heißt, alles was in Richtung Bildgenerierung, Videogenerierung oder extrem fancy Use Cases aus ist, sondern wir sollten vielmehr schauen, was sind eigentlich unsere Zeitfresser jeden Tag im Alltag. Was hält uns wirklich auf? Was macht keinen Spaß? Wo ist die Fehleranfälligkeit hoch? Und mit diesen Use Cases beginnen und ganz oft aus eigener Erfahrung sind es die Sachen, die gar nicht so sexy klingen. wo aber das wirtschaftliche Potenzial drin liegt. Konkretes Beispiel: Ein Schulungsgenerator, den ich mit KI erstellen kann, klingt nicht sexy, damit kann ich aber vielleicht die Arbeitsunterweisungsschulung komplett durch automatisieren.

Und Takeaway Nummer 3 einfach neugierig sein und mal starten. Die Technologie ist da, die Zeit der Spielerei ist auch vorbei. Das heißt, jetzt geht es wirklich drum zu starten und neugierig in die Zukunft zu schauen und hier sich nicht von Ängsten leiten zu lassen, sondern die Neuerungen wie jetzt agentische KI sehr begeistert mal aufzunehmen, auszuprobieren und dann zu schauen, was ist da für mich als Business Value drin.

Michael Scheffler

Tolle Impulse, Julian. Vielen, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit genommen hast. Ich hoffe, wir hören und sprechen uns sehr bald wieder zum Thema digitales Mindset.

Julian Knorr

Herzlichen Dank, dass ich dabei sein durfte, lieber Michael, hat sehr viel Spaß gemacht.

Michael Scheffler

Das war ViTalk HR - Gespräche, die People and Culture vitalisieren. Wenn du mehr zu dem heutigen Thema erfahren oder über die Petrichor hr GmbH hören möchtest, findest du alle Informationen in den Shownotes. Ich bin Michael Scheffler. Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.

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